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Der Exodus beginnt
Veröffentlicht am 18/11/08
In letzter Zeit bin ich über viele Interessante Äußerungen gestoßen, geprägt von Ignoranz und Arroganz oder totalem Unverständnis.
Anstatt sich mit Google Bashing, Loser Genered Content oder ähnlichem zu beschäftigen, sollten sich die traditionellen Medien, sowie Werber mal überlegen was sie ab 2013 tun wollen.
Die nächsten 5 Jahre mögen noch so weitergehen wie bisher, denn es gibt ja noch die Klientel der über 50-jährigen, die die traditionellen Medien eine Weile am Leben halten und auch für klassische Werbung zu erreichen sind, aber spätestens in 5 Jahren kommt es zum Crash. Der Exodus ist ja schon in vollem Gange.
Wer jetzt nicht bereit ist, das Internet zu verstehen, Menschen zu zuhören, mit ihnen in einen authentischen Dialog zutreten und von seinen veralteten, elitären Kommunikationsvorstellungen Abstand zu nehmen, verspielt seine Zukunft.
In 5 Jahren, also 2013, schauen nur noch Rentner TV oder lesen Zeitung. Verlage werden ein Auflagen Minus von 75 Prozent zu heute haben, ein Großteil der Zeitungen/Magazine werden eingestellt, Werbung wie wir sie seit 100 Jahren kennen wird es dann nicht mehr geben und das TV wird gänzlich anders aussehen als wie wir alle es bis Dato kennen.
Wohin möchte man dann kommunizieren, bzw. mit wem? Wer weiter ausschließlich um das goldene Kalb von Reichweite, Medienresonanzen und Auflage rumtanzt, wird dann nicht mehr wahrgenommen werden.
Das Internet ist eben kein weiterer Kanal neben weiteren, sondern integriert andere Kanäle wie z.B. TV und macht etwas völlig neues draus, was gänzlich neuen Regeln folgt. Die Ignoranz der kreative und schreibenden Elite führt in eine Sackgasse und wird vielen Menschen den Job kosten, weil man es versäumt hat neue Geschäftsmodell zu finden und zu etablieren.
Das war's. Und nun?
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Kommentare zu "Der Exodus beginnt"
14 Kommentare
Milos Willing
18/11/08
Ich sehe das ähnlich wie du. Warum aber die schreibende und kreative Elite nicht umdenken will oder die weichen für die Zukunft stellt kann ich nicht verstehen. Woran mag das liegen?
Sind es die alten Böcke die noch immer das sagen in den tradionellen Medien haben?
Claudia Sommer
18/11/08
Ich glaube es hat etwas damit zu tun, das Menschen ihren Status Quo gefaehrdet sehen, sowas fuehrt fast immer zu Abwehrhaltungen. Traurig aber wahr
Daniel Schultz
18/11/08
@Claudia – so á la “bloß vor meiner Rente nix mehr ändern”.
Und die Jungen, die etwas ändern wollen, bekommen einen Maulkorb verpasst oder dürfen in finanziell schwierigen Zeiten als erstes gehen.
Claudia AKA Radio Afrika
18/11/08
Es überrascht mich aber immer öfters wie viele Menschen eigentlich noch nicht wirklich vertraut sind mit den Web. 2. 0
Die meisten Menschen denken das Internet ist halt ein platz wo mann chatten kann und Information finden.
Es ist noch schreckhafter wenn mann über Marketing mit Betriebe redet, die völlig das Internet, Twitter und andere möglichkeiten völlig ignorien.
Claudia Sommer
18/11/08
Nun das Internet nicht verstehen und/oder es zu ignorieren ist das Eine, das Andere ist es aber sich hinzustellen und die Kommunikationsweisheit angeblich mit Loeffeln gefressen zu haben
Matthias Schwenk
18/11/08
Das Problem dürfte sein, dass man in den Führungsetagen von Verlagen und Medienhäusern das Internet zu lange vernachlässigt hat. In der Folge fehlt den Verlagsleitern, Managern und Chefredakteuren vermutlich auch die persönliche Kompetenz im Umgang mit Computern und dem Internet. Vielen dürfte es gehen wie unserem Wirtschaftsminister Michael Glos, der ohne fremde Hilfe nicht ins Internet kommt!
An der Stelle glaube ich allerdings, dass es nicht mehr viel zu retten gibt: Medienhäuser mit einem solchen Führungspersonal sitzen strategisch in einer Falle, aus der sie nicht mehr herauskommen.
Qualitativ gute Nachrichten im Internet wird es so gesehen ab 2013 vermutlich nur noch bei kleinen, spezialisierten Verlagen und ihren Blogs geben – sowie der ARD! Die ARD experimentiert ja gerade mit dem Format der Tagesthemen im Web – genau das Richtige im strategischen Umbruch. Für so etwas haben die Zeitungen allein schon wegen der ganzen Ausgabenkürzungen und Stellenstreichungen den Kopf gar nicht mehr frei…
Medienpirat
18/11/08
Ich finde auch der http://www.derstandard.at in Ö, hat einen guten und richtigen Weg eingeschlagen. Misik hat hier schon eine Art Videoblog und jeder Artikel ist mit Posts kommentierbar. Print wird sich über kurz oder lang extrem dezimieren. Mir wird jetzt schon regelmäßig das Standard Abo für ein halbes Jahr, um 8 Euro monatlich angeboten; dass ist schon fast gratis. Ich habe mich an diese Angebote gewöhnt und nehm sie nur mehr, wenn ich dieses bekomme. Muss aber auch sagen, wenn man online liest, kennt man die meisten Artikel schon vom Vortag, aber dafür liest man witzigerweise auch andere Artikel.
Alex Schestag
18/11/08
Ich halte das für eine völlige Fehleinschätzung, insbesondere die Aussage “In 5 Jahren, also 2013, schauen nur noch Rentner TV oder lesen Zeitung.” Ich werde dann sicher noch nicht in Rente sein und ganz sicher immer noch Zeitung lesen – auf Papier wohlgemerkt! Und viele in meinem Umfeld werden dies sicher genauso tun. Ohne Frage, auch die klassischen Medien müssen sich mit den Entwicklungen befassen und mit der Zeit gehen. Viele Zeitungen tun dies mittlerweile auch. Aber Zeitungen auf Papier werden *nicht* sterben, davon bin ich überzeugt. Denn auch in 5 Jahren werden viele die tragbare Zeitung für 1-2 Euro immer noch dem sündhaft teuren PDA oder Smartphone vorziehen, auf denen es eine *Qual* ist, Zeitungen zu lesen!
Dein Artikel erinnert mich etwas an einen Vortrag, den ich auf dem 24C3 über e-book reader gehört habe. Der Referent behauptete ähnlich vollmundig, in wenigen Jahren würden die klassischen Bücher auf Papier aussterben. Auch das wird nicht passieren, weil Bücher auf Papier als ein Teil unserer Kultur angesehen werden, die vielen Menschen, auch jüngeren, immer noch sehr wichtig ist! Exakt das Gleiche gilt für die klassische Zeitung.
Ich würde sagen: Bring mal deine Glaskugel in Reparatur, ich glaub, sie ist kaputt.
Sympatexter
18/11/08
Ich bin auch deiner Meinung.
Nur muss ich eins ergänzen: Es liegt nicht (nur) an den Werbeagenturen, dass Marken nicht mit Menschen kommunizieren. Ich arbeite selbst im Dunstkreis “Werbung” und stelle immer wieder fest, dass die Kunden oft nichts mit Web 2.0 anfangen können. Sie sind zu ängstlich und verstehen nicht, dass das Internet nicht nur eine nette Zusatzoption ist, sondern bald lebensnotwendig sein wird. Eigentlich wollen sie, weil sich ja alles so gut und logisch anhört, aber wenn es dann an die konkrete Umsetzung geht, ziehen sie dann doch regelmäßig den Kopf ein. An der Ignoranz und Angst des Kunden prallt dann jedes noch so gute Argument seitens der Agenturen ab.
Viele Agenturen sind weiter, als man es ihnen von außen ansieht. Der Altersdurchschnitt in der Werbung ist relativ niedrig. Das bedeutet, dass in Werbeagenturen zunehmend junge Menschen arbeiten, die mit dem Internet aufgewachsen sind. Auf Kundenseite ist das oft noch nicht so, da ist der Altersdurchschnitt höher. Aber der Druck wächst und das spüren auch die Kunden.
Claudia Sommer
18/11/08
@Alex Schestag ich glaube ja meine Glaskugel ist durchaus in Ordnung, Thesen sind immer gewagt und wir werden sehen, ob ich richtig lag oder nicht. Was Bücher betrifft sehe ich das so wie Du. Bücher leben von einer hohen Emotionalität und der Habtik. e-reader für Bücher halte ich ebenfalls nicht für ein Erfoglsmodell.
Matthias Schwenk
18/11/08
Ich muss auch sagen, dass es nicht an der Glaskugel liegen kann! In Amerika drüben hat Steve Rubel (micropersuasion) auch reingeschaut und für 2014 das Ende aller haptischen Trägermedien vorausgesehen: http://www.micropersuasion.com/2008/11/the-coming-end.html
Internet ist das neue Leitmedium - Claudia Sommer Me, myself and I - » Blog Archiv
24/11/08
[...] Vielleicht sollte jemand dies mal den Teilnehmern des Kommunikations Kongresses stecken, die faseln ja immer noch Medienkontakten… während Kollegen entlassen werden. [...]
Alex Schestag
02/12/08
Ein weiterer Grund, warum die klassischen Medien nicht sterben werden, ist die Tatsache, daß das Internet in wenigen Jahren tot sein wird, wenn nicht ca. 100 Milliarden Euro in die Infrakstruktur investiert werden. Es wird an seinem eigenen Wachstum zu Grunde gehen. Dies prognostiziert die Studie “Internet Interrupted: Why Architectural Limitations Will Fracture the Net”, s. http://www.nemertes.com/ii08. Ich halte das für eine durchaus seriöse Prognose. Man wird sehen, ob der Kollaps noch abgewendet werden kann, aber ich glaube aufgrund dieser Daten, daß wir uns zukünftig eher auf Einschränkungen unserer Internetaktivitäten einstellen müssen als auf eine Ausweitung derselben. Und deswegen werden auch 2013 noch junge Leute Zeitung lesen.
Papiertiger
02/12/08
Beim Fernsehen bin ich deiner Meinung, das wird nach und nach durch on-demand-Angebote abgelöst werden. Magazine werden’s auch immer schwerer haben, aber Zeitungen sprechen eine ganz andere Zielgruppe an, als elektronische Informationsdienste. Menschen, die einerseits nicht nur über schnelle Schlagzeilen die neusten Neuigkeiten erfahren möchten, sondern etwas in die Tiefe gehen wollen, allerdings nicht den Nerv haben, groß zu recherchieren, werden vermutlich weiterhin zur Zeitung greifen. Und ich glaube, dass genussvolles Lesen um des Lesens willen auf Papier leichter, als auf dem Bildschirm oder mit anderen digitalen Methoden möglich ist (Hauptproblem des Projekts Gutenberg…)
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