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Willkommen im Elfenbeinturm
Veröffentlicht am 27/09/11
Ich komme nicht umhin mich dieser Tage zu wundern. Wundern über uns selbst. Wir die „Web-Schickeria“ werden irrational. Die Irrationalität der vergangen Tage ist verwunderlich, denn wir sind ja alle „Experten“ und Experten sind fachkundige Menschen. Grundlage der Expertise ist Wissen und auf Wissen sollte eigentlich rationales Handeln folgen.
Das Handeln was wir aber sehen ist zutiefst irrational.
Mit dem neuen Facebook mutiert Google+ angeblich zu unserem Privatsphären-Protector, als die ultimative Alternative zu Facebook. Das ist in zweierlei Hinsicht falsch. Denn erstens sammelt Google mitnichten weniger Daten als Facebook, wahrscheinlich sogar viel mehr und zweitens kann Google+ keine Alternative zu Facebook sein, da Google das gleiche Geschäftsmodell verfolgt: Unseren Daten für Advertising zu monetarisieren. Ich halte es für nicht besonders intelligent alle seine Daten zu einem Anbieter zu shiften.
Hinzukommt, dass Google+ keine Relevanz hat und damit sind wir beim Elfenbeinturm, denn auf Google+ sprechen wir ausschliesslich mit uns selbst. Google+ wird niemals einen größeren Marketshare erreichen als 5%, wenn überhaupt. Google+ ist der verzweifelte Versuch etwas aufzuholen, was nicht mehr aufzuholen ist.
Wir, die Web-Schickeria, sprechen auf Google+ nur mit Gleichgesinnten, nicht mit Freunden, nicht mit Familie oder mit Menschen die nicht Teil dieser Schickeria sind. Wir bekommen uns dort nur selbst mit, aber nicht was andere Menschen denken und fühlen, noch was gerade in der Welt passiert.
Es ist auch völlig irrational von einem Anbieter zum anderen zu springen, wenn das zu Grunde liegende Problem das Selbe ist: Der unkontrollierte Umgang mit unseren Daten.
Es geht hier nicht um Facebook oder Google, sondern es geht darum, dass wir wieder Herr über unsere Daten werden müssen. Jeder User sollte ein Recht darauf haben zu wissen, was ein Anbieter von ihm speichert, wie lange er die Daten speichert und jeder User sollte auch das Recht haben, diese Daten unwiderruflich löschen zu können. Dies gilt insbesondere auch für Anbieter wie Arvato und Co. Und es gilt auch für den Staat der per Einwohnermeldeämter unsere Daten meistbietend an Adresshändler verscherbelt.
Dies ist aber kein Anbieter Problem, sondern ein juristisches, denn wir als User haben, wenn überhaupt einen nationalen/regionalen, Anspruch. Das Internet ist aber ein Gebilde welches international agiert. Und es gibt kein international gültiges Recht, welches uns den User das Recht einräumt unsere Daten einzusehen und zu löschen – Die freie Wahl zu haben, wem wir wie lange unsere Daten zur Verfügung stellen. In der Theorie mag es dieses Recht geben, in der Realität ist es aber nicht durchsetzbar, weil es eben nicht international gilt.
Zu kritisieren ist hier also das fehlende Recht und die Politik die dieses Recht nicht schafft. Was hat uns also den Blick für das Wesentliche dermaßen verstellt, dass wir so irrational Handeln?
Vielleicht liegt es daran, das wir eben in unserem schönen Elfenbeinturm nur mit uns selbst kommunizieren. Es ist nie gut nur mit sich selbst zu sprechen, denn Fortschritt bedarf immer den intelligenten Widerspruch. Wir müssen raus aus diesem Elfenbeinturm, denn wir sind die fachkundigen Experten, die sich dafür einsetzen müssen, dass ein Recht geschaffen wird, welches uns die Kontrolle über unsere Daten wiedergibt und zwar Anbieter unabhängig und dauerhaft, sowie international.
Das war's. Und nun?
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Kommentare zu "Willkommen im Elfenbeinturm"
4 Kommentare
Reinhart
27/09/11
Stimme überwiegend zu, wenn ich auch die Marktaussichten für G+ nicht so gering sehe. Auch ändert sich dort die Nutzerstruktur nach meinem Eindruck erheblich, nachdem zuerst in der geschlossenen Beta-Phase nur Web-Insider vertreten waren.
Wichtig ist, nicht alles über einen Kamm zu scheren, sondern die Unterschiede der “Grossen” im Umgang mit privaten Daten genau zu beobachten. Erst nach dem Markteintritt von G+ hat fb einiges bei sich geändert, was den Usern ein wenig (!) mehr Kontrolle gibt.
Klar ist natürlich: Beide Unternehmen verdienen Geld mit nichts anderem als mit unserem persönlichen Daten! Klar ist auch die fehlende Transparenz. Das liegt aber wohl in der Natur dieses Geschäfts.
Valentin
27/09/11
Grundsätzlich hast du mit dem Elfenbeinturm ja recht. Allerdings ist Google+ nicht dieser Elfenbeinturm (zumindest nicht in meinen Circles), und außerdem hat G+ die 5%-Hürde mit der 40-Millionen-Marke schon überschritten.
Was die Datenkrakenproblematik angeht würds mich aber schon interessieren was du von Diaspora hältst, denn darüber gebloggt hast du hier ja scheinbar noch nicht, und dieser Blogpost schreit doch förmlich nach Diaspora .. wo wir doch schon mal von Social Media sprechen
Valentin
27/09/11
…und warum benutzt du dann eigentlich den Like-Button? ^^
Claudia
27/09/11
Moin, moin Valentin,
meinst du mit 40 Millionen die “Karteileichen”? Diaspora hat nicht die Relevanz von Facebook. Mir geht es darum, klar zu machen, dass Firmen nicht dazu da sind Gesetze zu schaffen. Die Verfehlung ist hier bei der Politik. Ich habe per se nichts dagegen meine Daten Facebook und/oder Google zu geben, aber ich möchte das auch jeder Zeit nach belieben wieder ändern können, auch hier ist der Gesetzgeber gefragt und auch hier sollten wir Druck machen und nicht völlig sinnfrei irgendwelche Shitstorms lostreten und zu Google wechseln. Von Google ist mir übrigens nicht bekannt, dass ich eine CD mit meinen erfassten Daten bekommen kann und das steht mir sogar per Gesetz zu,
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