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Das gelobte Land
Veröffentlicht am 14/07/09
Journalisten und gedruckte Blätter zieht es, momentan in Scharen in das gelobte Land – das Web.
Die Medienkrise ist da und jeder überlegt wie er ihr begegnen kann. Immer mehr Titel werden in gedruckter Form eingestellt und sind nur noch Online verfügbar. Aktuelles Beispiel von vielen das Magazin Galore. Gedruckt ist es nicht mehr verfügbar, sondern nur noch online.
Dieser Trend wird im Laufe des Jahres noch zunehmen, denn ein gedrucktes Werk ist teuer und mit den derzeitigen Einbrüchen bei den Anzeigen-Einnahmen kaum noch zu finanzieren. Aber auch online, müssen Erlöse geschaffen werden, selbst wenn bei den reinen Produktionskosten massive Einsparungen erzielt werden, arbeitet ja niemand für Luft und Liebe.
Wie aber lassen sich online Erlöse erzielen?

Foto: Alex Barth
Erstmal braucht es dazu gute Inhalte, Agenturmeldungen sind im Internetzeitalter beliebig und haben keinen Mehrwert für den Nutzer. DPA Meldungen kann ich überall lesen, hundertfach aufgekocht und das täglich. Zudem erfordert der Weg in das gelobte Land ein radikales Umdenken der schreibenden Zunpft. Früher haben Menschen Informationen lediglich konsumiert, heute wollen sie Informationen mitgestalten.
Kurz gesagt: Kommunikation auf Augenhöhe ist angesagt und das journalistische Handwerk muss wieder ausgepackt werden.
Prinzipiell bin ich der Ansicht, das Internet-Nutzer durchaus bereit sind Geld für gute Inhalte zu bezahlen. Aber eingesperrter Paid-Content kann nicht die Lösung sein, da es dafür keine Akzeptanz gibt. Der Mangel an Akzeptanz kommt nicht von der „Alles-kostenlos-Mentalität“, sondern von der Mentalität alles freiverfügbar haben zu können.
Freiverfügbar heißt zunächst einmal ohne technische Hürden, quasi mit einem Click verfügbar. Und hier fangen dann schon die Probleme des Paid-Content Modells an. Paid-Content heißt, dass Inhalte technisch abgeschottet werden. Auch ein Nutzer der bezahlt muss sich mit den technischen Hürden auseinandersetzen. Wer ePapers im kostenpflichten Abo hat, weiß wovon ich spreche. Das ist dann in der Wahrnehmung des Nutzer eher eine Gängelung des zahlenden Kundens, als Mehrwert.
Das kann nicht die Zukunft und auch nicht der Weg in das gelobte Land sein.
Banner und Text Werbung alleine reichen auch nicht aus, daher sollten wir uns alle überlegen wie neue indirekte Erlösmodelle ausehen können. Der Handlungsdruck ergibt sich nicht aus dem neuen Medium Internet, sondern aus dem atemberaubenden Tempo mit dem sich die Medienwelt wandelt. Hatten wir früher Jahre, sogar Jahrzehnte Zeit uns auf fundamentale Veränderungen einzustellen, so bleiben uns heute nur noch wenige Jahre – maximal 5.
Wir alle tun gut daran unsere Zeit und Ressourcen in neue Ideen zu investieren, anstatt uns mit Gejammer und konstruierten Feindbildern zu beschäftigen. Tun wir das nicht, kreieren Andere zukunftsweisende Erlösmodelle und übernehmen den Markt. Dazu brauchen wir nicht all zu weit in die Vergangenheit schauen:
Ein neuer, großer und branchenfremder Player hat den Musikmarkt betreten: Apple.
Das war's. Und nun?
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Kommentare zu "Das gelobte Land"
4 Kommentare
Matthias Zellmer (@Zellmi)
14/07/09
Unsere Agentur arbeitet viel für “klassische” Medien-Unternehmen und daher kann ich deine Aussagen aus meinen Erfahrungen heraus nur voll unterschreiben.
Auch die Tatsache, dass wir kein bargeld-adäquates Web-Zahlungsverfahren haben, ist ein Punkt, der dringend gelöst werden muss, sonst wird diese Medienkrise ziemlich heftig werden …
Claudia
14/07/09
Epayment wird seit 10 Jahren diskutiert, aber bis Dato kam da noch nichts brauchbares bei raus, mal abgesehen von Paypal. Aber seitdem sie von Ebay übernommen wurden tut sich da auch nichts innovatives mehr.
Matthias Zellmer (@Zellmi)
14/07/09
Das Problem ist auch, dass die Margen, die in der Regel von den Payment-Anbietern abgegriffen werden, unverhältnismäßig hoch sind. So lohnt sich ein Micro-Payment, wie es für den Paid Content, wie du ihn beschrieben hast, nicht wirklich.
Selbst ein System “Ich zahle ein paar Cent, wenn mir der Inhalt was gebracht hat” könnte ggf. schon ein bisschen was bringen. Lohnt sich aber leider bei den aktuellen Payment-Modellen nicht. Bleibt nur die Werbung…
Carsten Rossi
14/07/09
Kommunikation auf Augenhöhe ist meines Erachtens nicht die Lösung. Für diese Art von kollaborativer Kommunikation brauche ich keine Journalisten und keine Medienhäuser sondern nur geschickte Moderatoren. Ich brauche dafür auch keine “Zeitungen” sondern es genügen Social Media Applikationen. Wenn den Journalismus und seine typischen Organisationsformen etwas retten kann, dann ist das “haltbarer” Content oberhalb meiner eigenen Augenhöhe, Inhalte die nicht nur berichten, moderieren oder aggregieren, sondern Formate die kommentieren, belegen und beweisen. Meines Erachtens geht es nicht um intelligente Formate sondern um Intelligenz in den Formaten, die besondere Einsicht, die überraschende Perspektive, Person oder deren ansonsten unzugängliches Hintergrundwissen. Ich bezahle gerne für das, was ich sonst nirgendwo bekomme. Alles andere ist Discount, oder vornehmer: Commodity.
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